Posthumanismus

von sophilos

Der Mensch ist auf der Suche nach der Vollkommenheit, doch seine vielen körperlichen und geistigen Grenzen hindern ihn daran, diese Suche erfolgreich zu beenden. Die Suche nach der Unsterblichkeit, wie sie schon der mythische König Gilgamesch unternahm ist ein sinnloses Unterfangen. Allerdings taten sich im letzten Jahrhundert neue Möglichkeiten auf, Möglichkeiten den Tod vielleicht doch noch zu überwinden. Folgend entstand die Bewegung des Posthumanismus. Posthumanisten sind der Ansicht der Mensch selbst sei das grundlegende Problem, seine Evolution sei geprägt von Kompromissen und sein Körper schwach, daher schlagen sie vor den Menschen buchstäblich zu überwinden, eine posthumane Zukunft anzustreben. Zu überwinden, indem der menschliche Geist, seine Persönlichkeit, seine Erinnerungen, in einen Computer, eine virtuelle Realität, transferiert wird. Dadurch soll er die letzte Barriere überschreiten, die seine Evolution behindert, die Sterblichkeit, die Endlichkeit sowohl des Lebens als auch des Wissens, des Erfolgs und des Glücks. Transferiert in eine virtuelle Welt kann der Mensch alle seine Träume umsetzen, unberührt von der Angst zu sterben, wird er ewig leben.

Einer der Pioniere des Posthumanismus ist Hans Moravec. Moravec ist der Ansicht, dass posthumane, künstliche Intelligenzen, sich derzeit wie Kinder in Relation zu ihren Eltern verhalten, jedoch diesen Rückstand bald wettmachen  und die Menschheit als Ganzes ablösen werden. Schon in wenigen Jahrzehnten sollen Künstliche Intelligenzen dem Menschen in allen Belangen überlegen sein und sie als bevorzugte Arbeitskraft ablösen. Was passiert mit dem Mensch, wenn die Welt von diesen künstlichen Intelligenzen bewohnt und beherrscht wird? Der Posthumanist vertritt die Ansicht, dass alle menschliche Intelligenz in Maschinen transferiert werden sollte, denn so könnte der Mensch nach Jahrtausenden der Suche endlich die gewünschte, lang ersehnte Unsterblichkeit erlangen. Mit diesem Prozess würde die biologische Menschheit von einer virtuellen Simulation abgelöst werden.

Das posthumane Leben, das unendliche Leben, sollte sich nicht nur durch seine Ewigkeit auszeichnen, sondern auch alle Qualitäten aufweisen die dem Menschen bisher verwehrt geblieben sind. Da in der Virtualität die Möglichkeiten unbegrenzt sind könnte jeder Mensch seine persönliche Welt kreieren, die Welt, die ihm am angenehmsten erscheinen würde. Er könnte auf die Reise durch Raum und Zeit gehen, ohne die Notwendigkeit eines Transportmittels, er könnte mit seinen Eltern und seinen Kindern beisammen sein, er würde theoretisch alle Reichtümer besitzen die er sich wünschen könnte. Auch würde die Option bestehen, dass sich alle posthumanen Identitäten zu einem kollektiven Bewusstsein entwickeln könnten. Moravec betont, dass jeder Mensch sich in der Virtualität unbegrenzt selbstverwirklichen könnte, alle Fähigkeiten ließen sich unendlich ausbauen. Je nach persönlicher Präferenz könnte man besser singen als jede/r Opernsänger/in oder besser Klavier spielen als jede/r Pianist/in. Ebenso besteht die von Cyberfeministen gewünschte Möglichkeit, jedes natürliche Geschlecht zu überwinden, kurz gesagt jeder Mensch hätte unbegrenzte Möglichkeiten „seine“ Welt zu bereisen und zu verändern.

Wieso wollen Posthumanisten den Tod überwinden, wieso sehen sie den menschlichen Körper auf Grund seiner Sterblichkeit als Fehler an? Sagte nicht Fromm einmal: „Die Angst vor dem Tod wächst mit dem Gefühl, nicht richtig lebendig gewesen zu sein, das heißt, ein Leben geführt zu haben, das ohne Freude und Sinn war. Ein Mensch, der wirklich lebendig ist, hat keine Angst vor dem Tod, weil er seine Identität in seinem Sein und seiner inneren Aktivität findet.“ Fromm führt desweiteren aus, dass man nicht vor dem Sterben Angst hätte, sondern vor dem Verlust dessen was man hat, des Eigentums, der Identität, ja selbst des Körpers. Fromm widerspricht somit grundlegend den posthumanistischen Ansichten, sehen sie doch den Tod nur als Hindernis für die Entwicklung wahrer, in allen Maßen unbegrenzter, Existenz und somit die Überwindung dieses Übels als Befreiung.