Stalking als Ausdruck des institutionalisierten Sexismus

von sophilos

[Stalking is] a course of conduct directed at a specific person that involves repeated visual or physical proximity, nonconsensual communication, or verbal, written or implied threats, or a combination thereof, that would cause a reasonable person fear.

Während die vom Phänomen abgeleitete Definition keinerlei Anzeichen einer nicht gegebenen Gender-Balance zeigt, so wird, wenn wir den Massenmedien Glauben schenken, spätestens in der Praxis ein gewichtiges Problem aus dem Erhalten ebendieser Balance. Wieso? Nicht nur weil weibliche Personen häufiger Opfer dieser pathologischen Verhaltensweise werden, nein, hinzu kommt, dass Frauen in der medialen Diskussion nur als Opfer behandelt werden. Man mag dieses Faktum gutmütig auslegen und sagen, dass dies alleine daran liegt, dass Frauen nun mal nur eine vernachlässigbare Minderheit als Täter darstellen, oder man mag das Motiv auf einer anderen Ebene finden; der Ebene des institutionalisierten Sexismus. Auf den ersten Blick mag diese Annahme etwas aus den Fingern gesogen wirken, doch wenn wir bedenken, dass die Gesellschaft nur die Summe der in ihr vertretenen Ansichten ist, so gewinnt dieses Argument enorm an Durchschlagskraft. Man führe sich nur einmal die weiterhin gegebene Ungleichheit bei der Bezahlung ein- und derselben Tätigkeit, der weiterhin nicht ausgeglichene Krankenkassenbeitrag, oder die Tatsache, im Gegensatz zur männlichen Bevölkerung nicht verpflichtet zu sein, Arbeit für den Staat in Form eines Grundwehrdienstes oder Zivildienstes zu verrichten, vor Augen. Schnell wird klar, dass institutionalisierter Sexismus nicht die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel ist. Da nun Institutionen im engeren Sinne nur Mengen von Individuen sind, können wir daraus schließen, dass weiterhin eine sexistische Einstellung ein Massenphänomen darstellt. Genau in der gleichen Weise, in der an der Berechtigung von Frauen an der Wirtschaftswelt teilzuhaben gezweifelt wird, indem man argumentiert eine Gender-Quote für Aufsichtsräte sei systemimmanent sexistisch, wird auch die Befähigung von weiblichen Personen zu gewissen Verhaltensweisen in Zweifel gezogen. Die Gesellschaft scheint nicht akzeptieren zu wollen, oder im derzeitigen Stadium nicht akzeptieren zu können, dass Frauen ebenso zu Brutalität in der Lage sind wie Männer. Stattdessen bleibt es der männlichen Bevölkerung überlassen diese Brutalität auszuleben, sei es im Grundwehrdienst oder als Stalker.

Diese Ungleichverteilung der von der Gesellschaft zugeschriebenen Gewaltfähigkeit, verursacht erst die Trennung in zwei binär verschiedene Lager, wie wir sie nun zu beobachten im Stande sind. Im Grunde genommen stellt diese Ideologie des Sexismus eine Gefahr für die Gesellschaft bzw. die in ihr befindlichen Individuen dar, denn wird der einen Seite ein Macht- oder Gewaltmonopol zugestanden, so hat dies weder für die eine noch für die andere einen positiven Effekt. Es ist genau dieses Machtmonopol das, einzig und allein den Männern zugestanden, dazu führt, dass sich pathologische Verhaltensweisen à la Stalking ausbilden, die wiederum für eine Trennung in Opfer- und Täter-Lager, nach gender-spezifischen Aspekten, führen. Wir befinden uns also in einem Teufelskreis, dessen Bestand jeden Tag, da eine klare Gender-spezifische Auftrennung in Opfer und Täter erfolgt, perpetuiert wird, ein Ausbrechen erscheint dementsprechend unwahrscheinlich bis unmöglich.

Dennoch oder vielmehr gerade deswegen, ist es notwendig sich an jene Strohhalme zu klammern, zu denen der Zugang gewährt ist. Es gibt einige positive Entwicklungen in dieser Hinsicht, nehmen wir z.B. die oben gegebene Definition, diese Definition offenbart, auch auf den 2. und 3. Blick keinerlei gender-spezifische Diskriminierung, weder positiver noch negativer Art. Doch, auch wenn der theoretische Aspekt des Stalking bereits gender-unspezifisch abgehandelt ist, so bleibt der wesentlich bedeutendere Teil, sei es die Berichterstattung der Massenmedien oder die persönliche Einstellung der Majorität der Individuen innerhalb der Gesellschaft, hinter diesem Fortschritt zurück. So bleibt es zwar möglich auf eine Besserung zu hoffen, doch, auch während der Einfluss der Medien abnimmt und das Berichterstattungsmonopol der Redaktionen zerschlagen wird, nimmt der institutionalisierte Sexismus nicht ab. Wieso? Steckt dahinter ein Machtkalkül? Ist eine Perpetuierung des Ist-Zustandes für manche Interessensgruppen von Vorteil?