Bernhard Aichner „Das Nötigste über das Glück“

von sophilos

„Du tot in der Küche Hans? So kenn ich dich gar nicht!“ Dieser Ausschnitt eines Cartoons bildet die Grundlage für die gemeinsame Beziehung von Elvina und Hans. Hans, im echten Leben ebenso tot wie sein Pendant im Cartoon, zumindest innerlich. Hans, ein ehemaliger Tischler, nun im Bahnwärterhäuschen gefangen, freiwillig, verdient sein Auskommen mit Geschäften über das Internet. Im Gegensatz dazu Elvina, Ex-Stewardess und Ex-Schizophrenie-Patientin in Gugging. Er, still in seiner kleinen, klar abgegrenzten Welt festsitzend, sie, laut, extravertiert, ständig unterwegs, egal ob Hamburg oder Paris. Am liebsten würde sie fliegen können, oder zumindest als Pilotin am Steuer eines Flugzeuges sitzen. Von dem vorher genannten Cartoon inspiriert, will Hans seinen Selbstmord inszenieren. Um seinen Plan durchführen zu können, sucht er nur noch eine passende „Zugehfrau“. Eine Annonce in der Regionalzeitung später steht Elvina vor der Tür. Doch anstatt ihn mit seiner festlichen Vorbereitung zum Selbstmord fortfahren zu lassen, reanimiert sie ihn, reißt ihn aus der Öde des Bahnwärterhäuschens heraus. Den Cartoon bunt ausmalend, flüstert sie ihm ein, doch mit ihr nach Spanien zu gehen. Was folgt, lässt sich im Filmjargon als Roadmovie bezeichnen.

Elvina und Hans sind so unterschiedlich wie der Tag und die Nacht. Dennoch, oder vielleicht gerade deshalb, finden sie schnell zueinander, denn so divergent manche ihrer Eigenschaften doch sind, so viele Anziehungspunkte und Gemeinsamkeiten lassen sich in der Tiefe erspähen. Die Sehnsucht nach Veränderung, beispielsweise. In den Genuss dieser kommen sie auf ihrer gemeinsamen Reise vom einsamen Bahnwärterhäuschen bis zur Costa de la Luz in Spanien nur allzu häufig. Viele Rückschläge während der Reise, und jede Teilstrecke mit einer Katastrophe endend, kommen sie am Ende doch glücklich an, vereint und unversehrt. Elvina und Hans, das Paar ist klar ersichtlich das Zentrum dieses Romans, sie werden hochgehalten, an ihnen prallt die Welt ab. Eine Welt geformt aus Hauptsätzen, ohne Beistriche, auch jene wenigen Nebensätze werden punktiert, das Einzelwort ebenso. Als Leser sieht man sich so einem Erzähltempo ausgesetzt, das an einen Wirbelsturm zu erinnern vermag. „Sie hat nicht viel geredet. Nur das Nötigste.“, die direkte Rede wird kürzest möglich angewandt, die Sprache ist sehr direkt, unter Umständen kurz angebunden und manches Mal verzichtet Aichner auf den derben Unterton und schreibt gleich in einem derben Ton.

Die Welt, in der Elvina und Hans wandern, zeigt sich bei genauerem Hinschauen in schrillen Farben, dick aufgetragen. Die Figuren dagegen veröden in der Tristesse, sind schwarzweiß. So werden Sprache und Figuren zu einem Einerlei, aus dem es nicht möglich ist, auszubrechen, selbst mithilfe der bewährten große-Katastrophe-glückliche-Fügung Formel. „Das Nötigste über das Glück“ erweist sich damit als eine Insel der Seligen für Raser, die sich allerdings in ihrer eigenen Glätte und Schlüpfrigkeit verliert.