Martin McDonagh „In Bruges“

von sophilos

Zwei Auftragskiller, eine Stadt, kein Auftrag. Zwei Auftragskiller, ein Veteran und ein junger Hitzkopf. Eine Stadt, Brügge, wie unser Veteran feststellt die besterhaltene mittelalterliche Stadt Belgiens. Kein Auftrag, die beiden sind auf Befehl Harrys in Brügge, doch ihre einzige Anweisung ist es, darauf zu warten, bis er anruft. Wieso sind sie in Brügge? Ray, ständig fluchend, was für ein Drecksloch Brügge doch sei, Hitzkopf und Auftragsmörder-Novize hat seinen ersten Auftrag verpfuscht: Anstatt nur einen Londoner Priester zu töten, treffen seine Kugeln auch einen kleinen Jungen. Choleriker Harry schickt Lehrer Ken und Schüler Ray daraufhin kurzerhand nach Brügge, noch ohne seine wahre Intention zu offenbaren.

Während Ken die Zeit in Brügge so lehrreich, ruhig und angenehm wie möglich gestalten will, im Wissen, dass Harry auf Befehlsverweigerung schon einmal mit dem Kopf durch die Wand gehen kann, will Ray schnellstmöglich nach Dublin zurück, zurück zu Dublins Pubs und Dublins Bier. Doch schließlich wird auch er in Brügge fündig, verliebt sich in Chloe, trinkt Bier, konsumiert Kokain, pöbelt amerikanische, wie kanadische Touristen an, feiert Feste mit einem zwergwüchsigen Schauspieler und von diesem bezahlten Prostituierten. Doch gerade als Ray sich mit seiner Verbannung nach Brügge abgefunden hat, erhält Ken den lange ersehnten Anruf von Harry. Den Inhalt des Anrufes allerdings hätte sich Ken anders vorgestellt: Harry befiehlt Ken, den Kindermörder Ray umzubringen, denn, so meint Harry, man müsse doch zu seinen Prinzipien stehen.

Dem Film ist anzumerken, dass Martin McDonagh, Regisseur und Drehbuchautor, einstmals sein Leben dem Theater widmete. Die erste Hälfte des Films verhält sich wie ein Kammerspiel, wir sehen die beiden Charaktere konfrontiert mit Erinnerungen, Träumen und einer Ausweglosigkeit, die sich in den mittelalterlichen Gässchen und den grauen Kanälen Brügges manifestieren. Gewalt trifft hier auf romantische Vorstellungen, die Grausamkeit der beiden Hitmen wird von ihrem trockenen Witz überdeckt. Nur hier und da offenbaren sich die beiden, nur hier und da geben sie ein Stückchen von ihrem Innersten auf und so lernen wir die beiden Protagonisten zwar kennen, doch von einem wirklichen „Kennen“ kann man nicht sprechen, zu stark konterkarieren ihre Profession und ihre Handlungen ihre Worte.

McDonagh ist hier ein beeindruckendes Debut gelungen, die Chemie zwischen den beiden Hauptcharakteren ist stimmig, Brügge als Bühne funktioniert und die Narrative wirkt zu keiner Zeit überzogen. „In Bruges“ ist unterhaltsames und gleichzeitig nachdenkliches Kino.