Ursprünge des Science-Fiction Films

von sophilos

Die Anfänge des Science-Fiction Films: Europa

Das Grundmotiv der frühesten Science-Fiction Filme war zumeist die phantastische Reise, wie sie auch für die Science-Fiction Literatur bereits als Katalysator gedient hatte. Dieses Motiv lässt sich auch beim Pionier, nicht nur des Science-Fiction Films, sondern auch der Spezialeffekte und Kameraeinstellungen feststellen. George Méliès gilt bis heute als einsames kreatives Genie, dessen Einfallsreichtum und Gedankenschnelle als einzigartig gilt. (Vgl. Hanisch 2007: 20)

1903 trat Méliès das erste Mal als ein solcher Pionier auf: In seinem eigenen Theater „Théâtre Robert-Houdin“, das ihm als Studio für seine Filmproduktionen und als Bühne für seine Auftritte als Magier diente, hatte er soeben sein erstes großes filmisches Werk vollendet: LE VOYAGE DANS LA LUNE. Dieser Film sollte sich als Startpunkt einer künstlerisch höchst interessanten Karriere als Auteur erweisen, doch größerer kommerzieller Erfolg blieb Méliès, nicht nur in diesem Fall, verwehrt. Doch zu diesem Film und dessen Entstehung- und Wirkungsgeschichte später, in einer Fallstudie abgehandelt, mehr. 1904 vollendete Méliès sein nächstes Projekt: LE VOYAGE A TRAVERS L’IMPOSSIBLE. Hier findet sich das bestimmende Motiv der frühen Science-Fiction prominent in Szene gesetzt: Die phantastische Reise, in diesem Fall angetreten von einer Gruppe von Mitgliedern der „Gesellschaft für inkohärente Geographie“. Sie fliegen mithilfe eines Zuges mit rasender Geschwindigkeit, nachdem sie mit kräftiger Unterstützung einer Bergkuppe vom Boden abheben, in den weiten Himmel und schließlich auch in den Weltraum, um schlussendlich im Meer zu landen und schon bald wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Méliès Ziel war es nicht, den Zuschauern eine perfekte Illusion von Bewegung, vom Reisen zu zeigen, vielmehr war es sein Ziel, dem Publikum neue Möglichkeiten zur Darstellung von Bewegung im Film näherzubringen. (Vgl. Seeßlen & Jung1 2003: 81)

Méliès Filme waren Ausdruck eines neuen Zeitgeistes und als Teil dessen fielen sie schnell in Vergessenheit, als sich die Umstände veränderten, was nicht zuletzt auch daran lag, dass Méliès bei all seinem kreativen Genie nicht in der Lage war, seine Erfindungen, seine Narrationen ausreichend zu vermarkten, und so blieb der kommerzielle Erfolg von LE VOYAGE DANS LA LUNE ein Einzel- und Glücksfall für den französischen Magier. Doch auch wenn sie schnell einer zeitweiligen Periode des Vergessens anheimfielen, so blieben die Aussagen von Méliès Filmen doch omnipräsent in der späteren Entwicklung des Science-Fiction Genres. Er nimmt vorweg was später wichtiger Teil des Science-Fiction Films wird: bizarre Wesen ohne Bezug zu dem, was tatsächlich entsteht, Landschaften die ein eigenes Leben entwickeln, personifiziert werden und schließlich auch als Leben erkannt werden, etc.. (Vgl. Hanisch 2007: 20)

Die phantastische Reise als erste Thematik war dem Science-Fiction Film nicht genug, schon bald entwickelte sich aus dem Sichten des Fremden die Angst vor dem Fremden und den Auswirkungen, die das Fremde auf die derzeitige Gesellschaft haben könnte. Es war also nur ein kleiner Schritt von der phantastischen Reise hin zu einem weiteren bedeutenden Thema des Science-Fiction Films: der Invasion. Die erste unheimliche Begegnung mit dem Fremden als Aggressor machte das Publikum 1909 in THE AIRSHIP DESTROYER, wobei mysteriöse Flugmaschinen London bedrohen. Das Modell der Invasion hatte schon damals bahnbrechenden Erfolg und so löste The Airship Destroyer einen wahrhaften Boom des Science-Fiction Films um den Jahrzehntewechsel aus. Es war diese Thematik der Invasion, die der späteren Military Science-Fiction den Weg bereitete und den Science-Fiction Film ideologisch in eine fragwürdige Position brachte. (Vgl. Seeßlen & Jung1 2003: 83f.)

Ebenfalls um den Dekadenwechsel kristallisierte sich eine weitere Komponente des Science-Fiction Films heraus: Der genretypische Charakter des mad scientist war geboren. 1910 war dieser erstmalig in FRANKENSTEIN zu sehen. Der mad scientist sollte sich später als das zugkräftigste aller frühen generischen Themen der Science-Fiction erweisen. (Vgl. ibid.: 84)