George Méliès „Le Voyage dans la Lune“

von sophilos

Eine Gruppe von Wissenschaftlern entschließt sich, im Anschluss an einen wissenschaftlichen Kongress, bei dem eine Kapsel vorgestellt wird, mit der es möglich sein soll, den Mond zu erreichen, die Reise zum Mond zu wagen. Die Kapsel soll mithilfe einer Kanone zum Mond geschossen werden und nach der Beschlussfassung am Kongress machen sich die Wissenschaftler an die Konstruktion der Kapsel. Schließlich ist die Kapsel fertig zusammengebaut und die Kanone gegossen, und so wird sie von einigen Frauen in die Kanone geschoben. Bevor die Kapsel sich auf ihren Weg begeben darf, wird noch einmal die französische Flagge gehisst, nun wird die Lunte angezündet und die Kapsel begibt sich auf ihren Weg.

Die Kapsel landet im Mond

Die Kapsel landet im Mond

Die Kapsel landet schlussendlich im rechten Auge des Mondgesichtes. Als die Wissenschaftler die Kapsel verlassen, sehen sie eine bizarre Mondlandschaft und die Erde in dem Moment, in dem sie aus Sicht des Mondes aufgeht. Müde von ihrer Reise legen sie sich schlafen und träumen davon, dass Sterne und Planeten um sie erwachen. Als ein Schneesturm aufzieht, müssen sie in eine Grotte flüchten, wo sie riesige Pilze entdecken, und als einer der Forscher seinen Regenschirm in den Boden rammt, wird dieser zu einem Pilz. Von dieser Verwandlung angelockt, greifen die Seleniten die Forscher an. Die Forscher werden schließlich überwältigt und vor den Herrscher der Seleniten gebracht. Einer der Wissenschaftler stürzt sich auf den Herrscher, und im folgenden Chaos gelingt es der Gruppe zu fliehen und zur Kapsel zurückzukehren. Sie schieben die Kapsel in einen Abgrund, in der Hoffnung, dass sie so wieder zur Erde zurückfallen würden. Das Vorhaben gelingt und sie landen im Ozean, wo die Kapsel zwar anfänglich sinkt, sich aber nach einiger Zeit durch den Auftrieb an die Oberfläche bewegt. An der Oberfläche angekommen werden sie von einem Dampfer aufgenommen und in den nächstgelegenen Hafen gebracht, wo sie von einer Menschenmenge begeistert aufgenommen werden.

Er war ein außerordentlich phantasiebegabter Einzelgänger, der mit umwerfender Naivität ein ganzes Imperium der Phantasie errichtete. Viel von dem, was sich später special effects nannte, baute auf den Entdeckungen des Georges Méliès auf. Sein lachender und nach der Landung des Geschosses mitten in seinem rechten Auge weinender Mond ist eine der ersten Ikonen des Kinos. (Hanisch 2007: 20)

Als die Zuschauer genug von den bewegten Bildern eines Lumière hatten, rettete Méliès das Kino mit seinen phantastischen Visionen und Einfällen. Méliès war Zeit seines Lebens begeistert von Magie und Theater, und so ist es nicht verwunderlich, dass er seine eigenen Zaubertricks in seinem eigenen Theater vorführte. Auch an seinen Filmen ist klar erkennbar, dass Méliès ein Mann des Theaters war. Die Schauspieler seiner Filme waren gleichzeitig auch die Schauspieler in den Stücken, die in seinem Theater aufgeführt wurden. Die Kamera war festgebunden, unbeweglich und starr, wie es auch dem Zuseher im Theater widerfährt. Bewegung, und diese war immer vorhanden, fand immer vor der Kamera statt. Keine Sekunde Ruhe wurde den Schauspielern gegönnt, sollten sie einmal vor der Kamera auftreten, alles musste sich bewegen, jeder einzelne musste seinen Gestus einbringen, um den Film zu gestalten. Manches Mal ging Méliès sogar soweit, einfach ein Stück Dekoration, als wäre es eine Theaterbühne, während des Filmens zu wechseln; er war sichtlich stolz auf seine Wurzeln im Theater. (Vgl. Hanisch 2007: 17-20)

LE VOYAGE DANS LA LUNE war seine bis dato aufwändigste Produktion, einen Monat drehte er unter beträchtlichem Aufwand sein selbstverfasstes Drehbuch. Méliès war dementsprechend auch der erster Auteur des Kinos, er verrichtete beinahe jede Arbeit selbst: ob als Schauspieler, an der Kamera, als Regisseur, Drehbuchautor oder Ingenieur. Doch der Einzelgänger Méliès war kein Geschäftsmann, als sich der kommerzielle Erfolg von LE VOYAGE DANS LA LUNE zeigte, eröffnete Méliès zwar ein Büro in New York, um die Vermarktung seiner Filme in Amerika zu kontrollieren, doch schließlich konnte er sich als Künstler nicht gegen die Geschäftsleute Lumière in Paris und Meßter in Berlin durchsetzen. Auch in Amerika blieb ihm längerfristiger kommerzieller Erfolg verwehrt, zu groß war dort die Konkurrenz in Form von Edison. Letztlich konnte sich so der „Magier“ des frühen phantastischen Kinos kommerziell nicht beweisen und war dazu verdammt, sich als Regisseur am Rande der Filmszene zu bewegen. (Vgl. Hanisch 2007: 17-20)