Fritz Lang „Metropolis“

von sophilos

We shall build a tower that will reach to the stars!“ Having conceived Babel, yet unable to build it themselves, they had thousands to build it for them. But those who toiled knew nothing of the dreams of those who planned. And the minds that planned the Tower of Babel cared nothing for the workers who built it. The hymns of praise of the few became the curses of the many – BABEL! BABEL! BABEL! – Between the mind that plans and the hands that build there must be a Mediator, and this must be the heart. (Lang 1927)

Metropolis

Metropolis

In einer nicht näher spezifizierten Zukunft ist die Stadt Metropolis Heimat einer utopischen Zivilisation: Die Einwohner der Stadt leben ein sorgenfreies Leben. Einer von diesen privilegierten Einwohnern ist der Sohn des Stadtgründers Freder Fredersen. Eines Tages, als er sich im Freien aufhält, sieht er eine wunderschöne, doch ihm unbekannte Frau mit einer Gruppe von Kindern. Sie meint zu den Kindern „diese sind eure Brüder“. Als die Frau wieder in den Tiefen verschwindet, aus denen sie kam, folgt ihr Fredersen, nicht ahnend, dass sich unter der von ihm so geliebten Stadt ein Geheimnis von solcher Schwere verbergen sollte. Ihr folgend stößt er auf eine, vor den Bewohnern von Metropolis geheim gehaltene unterirdisch gelegene Stadt, bewohnt von Arbeitern. Die Arbeiter, die die Stadt an der Oberfläche mit ihrer harten Arbeit am Laufen halten, müssen wie Maschinen einem festgelegten Tagesablauf folgen, der, wenn nicht eingehalten, zum Untergang sowohl der oberirdischen als auch der unterirdischen Stadt führen könnte. Fredersen erfährt, dass die Frau, der er in die Tiefe folgte, Maria heißt und in Reden an die Arbeiter diese immer wieder zur Mäßigung aufruft und einmahnt, dass die Hand sich wieder mit dem Kopfe verbinden müsse. Angetan von einer Rede Marias, beschließt er sich der Arbeiterbewegung anzuschließen.

Der Roboter

Der Roboter

Als sein Vater Joh Fredersen von seinem Ausflug in die unterirdische Stadt hört, beschließt dieser, die Situation für seinen Vorteil zu missbrauchen. Joh kontaktiert seinen Erzfeind, einen Erfinder namens Rotwang, der die Arbeiter von einer Revolte abhalten soll; Maria spielt dabei eine zentrale Rolle. Maria soll durch einen Roboter ersetzt werden, welcher die Beziehung von Maria und den Arbeitern zerstören und so jegliche Forderungen der Arbeiter gegenüber den oberirdisch Lebenden zumindest zeitweilig abwenden soll. Doch Rotwang hat einen anderen Plan: Er will die Situation für sich nutzen und so soll Marias Kopie zu einer gewaltsamen Revolte aufrufen, um alles von Joh Fredersen Geschaffene zu zerstören. Als die mechanische Kopie fertiggestellt ist, zeigt sie ihre gefährlichen Fähigkeiten: Innerhalb kürzester Zeit ist es ihr möglich, nicht nur die Beziehung zwischen Fredersen und Maria, sondern auch die beiden Städte zu zerstören und nur als die Fassade des Maschinenmenschen von Flammen zerfressen ist, wird er als solches erkannt. Schließlich können Maria, Fredersen und Joh gemeinsam die Stadt retten und Fredersen fungiert nun als der von Maria geforderte Mediator zwischen den Interessen der Arbeiter und der privilegierten Oberschicht.

Der berühmte englisch Science-Fiction-Erzähler H.G. Wells hat seinerzeit kein gutes Haar an Metropolis gelassen. Vor allem hat ihn geärgert, dass für modern erklärte Elemente zum Teil der schon überwundenen Vergangenheit angehören, dass also der >futuristische Stil< nicht gleichmäßig alle Teile der neuen Lebenswelt umfasse. (Koebner 2007b: 26)

Die Aussöhnung

Die Aussöhnung

METROPOLIS gilt bis heute auf Grund seiner futuristischen Stadt und den riesigen Kolben, die wir gleich zu Beginn vernehmen, als eines der außerordentlichen Kunstwerke des Science-Fiction Kinos. Es ging Lang nicht darum, realistisch darzustellen, in expressionistischer Tradition war es seine Intention, Gefühle bildhaft auszudrücken. Langs Utopie, wie sie in METROPOLIS zustande kommt, ist überladen, sie ist sentimental und reaktionär, ihr werden mancherorts auch unterstellt faschistoide Tendenzen aufzuweisen. (Vgl. Seeßlen & Jung1 2003: 91) Traditionell wird der Vater-Sohn Konflikt behandelt, der Vater, vormals angewidert von seinem Sohn, wird sich ob der Gefahr, in die sich sein Sohn für das Leben anderer begibt, doch noch seiner Liebe bewusst und bittet schließlich auf Knien flehend um das Leben seines Sohnes, als dieser sich in den Zweikampf mit Rotwang begibt. Der intrigante Fabriksherr und Erfinder Rotwang ist ein in sich unlogischer Charakter, schickt er doch die falsche Maria in die Mitte der Arbeiter, um sie dazu zu bewegen die Maschinen, die auch seine Fabriken, auch seine Erfindungen antreiben, zu zerstören. Ein Zerstören also, unter dem schließlich alle, er eingeschlossen, schwer zu leiden hätten. Unlogisch auch, dass es in einer auf derartige Weise gespaltenen Gesellschaft keinen Militärapparat gibt, welcher in der realen Welt oftmals dazu diente, genau das zu verhindern, was Rotwang plant, nämlich einen Aufstand der Arbeiter. Doch all diese Unzulänglichkeiten sind vergessen ob der visuellen Opulenz, der interessanten architektonischen Visionen und der bahnbrechenden Visualisierung der sich anbahnenden Katastrophe. Diese Opulenz lebt von Gegensätzen, Gegensätzen, wie sie H.G. Wells kritisierte, Gegensätze, wie sie für Lang offensichtlich notwendig waren. (Vgl. Koebner 2007b: 21-27)

Auch in dieser Zukunftsschau findet sich das Bild eines Christentums, spielt sich doch der abschließende Kampf einmal mehr in einer gotischen Kathedrale ab. Dieses Nebeneinander der verschiedenen Stile ist schließlich auch sinnbildlich zu verstehen für das Menschenbild in METROPOLIS: Der Mensch, auch wenn er sich selbst als modern bezeichnet und meint, alles Prämoderne hinter sich gelassen zu haben, ist immer noch beeinflusst von den Resten alter Zeiten, die auf welche Art auch immer in den Alltag hineinspielen und so dazu führen, dass auch der moderne Mensch nur eine Mischgattung ist, in dem sich das Vergangene und das Neue nicht immer auf vorhersehbare Art und Weise rekombinieren. Ein weiteres Indiz für diesen Deutungsansatz ist die Verschränkung von Alchemie und Technologie in der Erschaffung der falschen Maria durch Rotwang – die falsche Maria entsteht aus einem Roboter, durch Technologie erschaffen, der in einem magischen Prozedere zu einem künstlichen Menschen gewandelt wird. Des Weiteren erkennen wir in METROPOLIS bereits die Figur des mad scientist, in Form von Rotwang, die in den dreißiger und vierziger Jahren den Science-Fiction Film bestimmte.