Robert Wise „The Day the Earth stood still“

von sophilos

I am leaving soon, and you will forgive me if I speak bluntly. The universe grows smaller every day, and the threat of aggression by any group, anywhere, can no longer be tolerated. There must be security for all, or no one is secure. Now, this does not mean giving up any freedom, except the freedom to act irresponsibly. Your ancestors knew this when they made laws to govern themselves and hired policemen to enforce them. We, of the other planets, have long accepted this principle. We have an organization for the mutual protection of all planets and for the complete elimination of aggression. The test of any such higher authority is, of course, the police force that supports it. For our policemen, we created a race of robots. Their function is to patrol the planets in spaceships like this one and preserve the peace. In matters of aggression, we have given them absolute power over us. This power cannot be revoked. At the first sign of violence, they act automatically against the aggressor. The penalty for provoking their action is too terrible to risk. The result is, we live in peace, without arms or armies, secure in the knowledge that we are free from aggression and war. Free to pursue more… profitable enterprises. Now, we do not pretend to have achieved perfection, but we do have a system, and it works. I came here to give you these facts. It is no concern of ours how you run your own planet, but if you threaten to extend your violence, this Earth of yours will be reduced to a burned-out cinder. Your choice is simple: join us and live in peace, or pursue your present course and face obliteration. We shall be waiting for your answer. The decision rests with you. (Wise 1951)

Das Raumschiff

Das Raumschiff

Als ein außerirdisches Flugobjekt im Zentrum von Washington DC landet und ein Mann im Raumanzug aus dem Schiff steigt, greift das Militär ein, sie umkreisen das Schiff und der Mann wird von einem nervösen Soldaten angeschossen, als dieser ein Geschenk für den Präsidenten aus seinem Raumanzug holt. Als Reaktion auf den Angriff entsteigt ein riesiger Roboter, genannt Gort, dem Schiff und vernichtet per Laserstrahl alle auf ihn gerichteten Waffen, bis er auf Zuruf des Verletzten still verharrt. Der Mann wird in ein Krankenhaus gebracht, wo er sich als Klaatu zu erkennen gibt. Er bittet darum, die Führer aller Nationen herbeizuholen, da er eine wichtige Botschaft habe. Klaatu flieht kurz darauf aus dem Krankenhaus und kommt als Mr. Carpenter in einer Pension unter. Dort macht er Bekanntschaft mit Helen Benson und ihrem Sohn Bobby. Während Helen mit ihrem Freund unterwegs ist, kümmert sich Klaatu um Bobby, und die beiden gehen durch die Stadt. Auf Klaatus Bitte hin führt ihn Bobby zu Professor Barnhardt, einem weltweit führenden Physiker. Diesem berichtet er, dass Außerirdische die Menschheit schon seit geraumer Zeit beobachten und sie die Nutzung der Atomkraft für Kernwaffen in Verbindung mit der beginnenden Raumfahrt nicht zulassen können. Auf Barnhardts Anraten stoppt Klaatu am nächsten Tag für eine halbe Stunde alle nicht lebensnotwendigen Maschinen. Klaatu gibt sich Helen zu erkennen, doch ihr Freund informiert die Armee von der Präsenz des Außerirdischen und so sind sie gezwungen zu fliehen. Er weist sie an, sollte ihm etwas zustoßen, den Roboter mit den Worten „Klaatu Barada Nikto“ aufzuhalten, bevor dieser die Erde zerstört. Tatsächlich wird Klaatu vom Militär erschossen. Doch Helen läuft rechtzeitig zum Raumschiff und ruft Gort die entscheidenden Worte zu. Dieser holt daraufhin den Leichnam Klaatus und belebt ihn im Raumschiff wieder. Die drei entsteigen dem Raumschiff, vor dem sich mittlerweile Wissenschaftler aus der ganzen Welt versammelt haben. Klaatu erklärt den versammelten Wissenschaftlern, dass er der Abgesandte einer Föderation von Planeten sei, die, um Kriege für alle Zeit unmöglich zu machen, eine Rasse von mächtigen Robotern geschaffen haben, die sie ständig überwachen und den Befehl haben, jeden Aggressor zu vernichten. Jede Möglichkeit, andere Planeten anzugreifen, hätte die völlige Auslöschung der Erde zur Folge. Entweder werde die Erde friedlich mit den anderen Planeten zusammenleben oder sie werde zerstört. (Vgl. Wise 1951)

Schon die Anfangssequenz ist symptomatisch für den Film: Die Absichten Klaatus, die er von Beginn weg als friedlich deklariert, werden nie ernst genommen, zu tief sitzen Paranoia und die Angst vor feindlicher Infiltration, als dass ein solcher Vorschuss an Vertrauen in Betracht gezogen wird. THE DAY THE EARTH STOOD STILL unterscheidet sich schon hier von den meisten anderen Science-Fiction Filmen seiner Zeit – der Außerirdische tritt nicht als Feind auf, seine Absichten sind von Anfang an klar ersichtlich und die Probleme die sich während der Geschichte ergeben werden alleine durch das Handeln der menschlichen Personen herbeigeführt. Der Film deckt im Dialog immer wieder den Mechanismus auf, der durch die Ära McCarthys bedingt ist. (Vgl. Klein 2007: 72ff.)

Die Zivilisation, in deren Namen Klaatu spricht, erinnert an positive Utopien des literarischen Science-Fiction Genres wie sie immer wieder bei Isaac Asimov zu finden sind: Weniger der Fortgeschrittenheit des Individuums als einem technologischen Kontrollsystem ist der Friede geschuldet. Jedes Wesen wird sofort eliminiert, sollte es Zeichen von Aggression aussenden. Gewalt als Eigenschaft ist also weiterhin vorhanden in dieser utopischen Gesellschaft, sie ist auch kulturell weiter vorhanden, denn sonst gäbe es keine Notwendigkeit dafür, sie mittels einer solch brutalen Technologie einzuschränken, sie ist nur „rational verschoben“ (Seeßlen & Jung1 2003: 147). Die Zivilisation Klaatus ist nicht nur bereit größere Gewalt anzuwenden als die Menschheit mit ihrer Technologie jemals zuzufügen imstande wäre, sie hat auch ihre eigene Verantwortung einer anderen kontrollierenden Instanz übergeben. Klaatu spricht daher aus einer moralisch nicht erhöhten Position, sein Appell an die Menschheit richtet sich nicht an eine kulturelle Instanz, sondern an den ursprünglichsten Trieb des Menschen, den Trieb seine weitere Existenz zu sichern. Klaatu ist in einem gewissen Sinne auch nicht der eigentlich Botschafter seiner Zivilisation, die eigentliche Botschaft übermittelt Gort der Roboter, der sich Klaatu nur bedient. (Vgl. Seeßlen & Jung1 2003: 147f.)

THE DAY THE EARTH STOOD STILL ist eine Adaption einer literarischen Vorlage, was für einen Science-Fiction Film der fünfziger Jahre eine Ausnahme war, wenn aber doch auf eine literarische Vorlage zurückgegriffen wurde, so wurde die Quelle meist derart verändert, dass im besten Falle noch die Grundidee der Vorlage blieb. Man kann also nicht von einer Kultur des Adaptierens sprechen, sondern muss vielmehr sagen, dass der Science-Fiction Film sich der Ideen des literarischen Genres bediente. (Vgl. ibid.: 147)