James Cameron „Avatar“

von sophilos

The Sky People have sent us a message… that they can take whatever they want. That no one can stop them. Well, we will send them a message. You ride out as fast as the wind can carry you. You tell the other clans to come. Tell them Toruk Makto calls to them! You fly now, with me! My brothers! Sisters! And we will show the Sky People… that they can not take whatever they want! And that this… this is our land! (Cameron 2009)

2154 sind alle Ressourcen der Erde erschöpft, der Konzern Resources Development Administration baut aus diesem Grund auf dem fernen Mond Pandora den Rohstoff Unobtanium ab. Doch die begehrten Abbaugründe liegen zum Ärgernis der Konzernleitung unterhalb des Stammesgebietes der Na’vi, die mit den Eindringlingen friedlich umgehen, sie aber nicht die Reichtümer ihrer Natur ausbeuten lassen wollen. Nachdem sein Bruder, der Teil einer wissenschaftlichen Expedition in das Stammesgebiet der Na’vi war, stirbt, wird Jake Sully, ein früherer Marine, der seit einem Kampfeinsatz von der Hüfte abwärts gelähmt ist, als dessen Ersatz nach Pandora geschickt. Mithilfe von geklonten Na’vi Körpern, sogenannten Avataren, ist es einigen Wissenschaftlern gelungen, das Vertrauen der Ureinwohner zu erlangen, das längerfristige Ziel dieser diplomatischen Mission ist es, die Na’vi dazu zu bewegen, ihre Stammesgebiete aufzugeben und den Weg frei für den Menschen und seine Maschinen zu machen.

Neytiri, eine Na'vi

Neytiri, eine Na'vi

Das Team um Dr. Grace Augustine, welches zu einem großen Teil wissenschaftliche Ziele verfolgt, wird jedoch in seiner Arbeit von Colonel Miles Quaritch, dem militärischen Leiter der Basis, behindert. Quaritch will außerdem, dass ihm Sully nützliche Informationen bezüglich der Verteidigungsanlagen und –strategien zuspielt. Als klar wird, dass die Na’vi ihre Gebiete in keinem Falle aufzugeben bereit sind beginnt eine militärische Operation gegen das indigene Volk. Doch als es zur militärischen Eskalation kommt, kann sich Sully nicht länger auf die Seite der Menschen stellen, zu eng mit der Natur und Neytiri, der Häuptlingstochter, ist er inzwischen verbunden. Es gelingt Sully einen sagenumwobenen Drachen zu bändigen und er steigt damit zum Führer aller Stämme auf. Erst nach großen Verlusten auf beiden Seiten kann der Kampf Mensch gegen Na’vi und Technologie gegen Natur entschieden werden, die Menschen werden von Pandora verbannt, und Sully kann in einer magischen Zeremonie seinen menschlichen Körper endgültig hinter sich lassen und zu einem Na’vi werden.  (Vgl. Cameron 2009)

[…] James Cameron [warnt], nicht ganz zu Unrecht, vor seiner Schöpfung Pandora: „Eine Welt, die wir auf eigene Gefahr betreten, da wir sie vielleicht nicht wieder verlassen wollen.“ (Seeßlen 2009)

James Cameron, Regisseur und Autor von AVATAR, gilt nicht zu Unrecht als Gigant des Mainstream-Kinos, seine Filme setzten auch in der Vergangenheit immer wieder neue Maßstäbe für den Film. Sein TERMINATOR sollte ein bahnbrechender Science-Fiction Action Film werden, TERMINATOR 2: JUDGEMENT DAY der damals teuerste Film aller Zeiten und TITANIC schließlich der erfolgreichste Film aller Zeiten. Aller Zeiten? Nein, nur bis zu James Camerons nächstem Großprojekt, dessen Kosten beizeiten auf knapp ein halbte Milliarde Dollar geschätzt werden, AVATAR. AVATAR hat inzwischen den Titel des kommerziell erfolgreichsten Films aller Zeiten für sich beansprucht, mit knapp 2.7 Milliarden Dollar Einnahmen an der Kinokasse hat er sich hier eindrucksvoll durchgesetzt.

Die Welt von Pandora

Die Welt von Pandora

AVATAR ist Ausdruck eines neuen Mainstream-Films, er ist synonym für die Mainstreamwerdung des Science-Fiction Films, deren Produkt er zwar ist, aber deren Fortschreiten vor allem durch ihn garantiert wurde. Doch AVATAR ist nicht nur Science-Fiction Film, er ist vor allem ein neuer „Metafilm“, wie ihn Seeßlen nennt. (Seeßlen 2009) AVATAR vereint in sich die Elemente des Mainstream-Kinos des neuen Millenniums: Science-Fiction, Western, Fantasy und Kriegsfilm, sowie politische Statement und ästhetische Tour-de-Force, Geschichtsstunde und doch kindlich, technisch State-of-the-Art und doch teuerstes B-Movie aller Zeiten.

Wenn man „Avatar“ gesehen hat, hat man alles gesehen, was das populäre Kino derzeit können will und wollen kann. (Seeßlen 2009)

Die menschliche Militärmaschinerie

Die menschliche Militärmaschinerie

AVATAR ist dauerndes Spektakel, Spektakel sowohl plotmäßig, charaktermäßig und wenn gerade einmal keine Schlacht zu kämpfen, kein Charakter zu etablieren und keine fremdartige Kreatur zu bändigen ist, dann erlaubt sich AVATAR auch die eine oder andere moralisierende Botschaft. Besonders der militärische Apparat wird hier kritisiert, in seiner perfiden Ignoranz und seiner nicht vorhandenen Lernfähigkeit. Die militärische Führung schließlich ist in sich selbst ein klischeehafter Bösewicht, repräsentiert von einem texanischen Heißblüter, der nichts anderes als „Murder & Mayhem“ im Kopf und, um auf den intergenerischen Bösewicht anzuspielen, auch noch ein Narbe im Gesicht hat, wie wir sie schon bei Capone, Ahab und der Zahnfee sehen durften. Wir sehen den militärischen Apparat, wie er mörderische Waffen gegen die, im Vergleich zur Hochtechnologie der Menschen, beinahe harmlosen Einheimischen einsetzt. Schließlich wird auch der Antreiber dieses Schreckens benannt: Es sind Konzerne, die, getrieben von der Gier nach Profit, nach den Ressourcen Pandoras dürsten und denen kein Mittel zu grausam ist, um die Einheimischen mit geringest möglichen Kosten von den wertvollen Gründen zu vertreiben. Cameron äußert Kritik, wie sie im Mainstream-Kino nicht unhäufig ist: Sie mag entschlossen und klar ersichtlich sein, doch um das Thema schließlich ernsthaft zu behandeln verbleibt der Film in einer Position, die zu naiv ist. Der Held verkörpert hier den Wandel, den das Böse nehmen kann, wenn es nur mit dem Guten in Kontakt kommt, zu einfach geschieht diese Wandlung, zu klar sind die Linien gezogen, als dass die Ideologiekritik nicht selbst wieder zu einer Ideologie verkommt.

AVATAR das ist ein vermarktungstechnisches Phänomen. Die Premiere fand am 10. Dezember 2009 statt und bereits eine Woche später war der Film nicht nur in aller Munde, nein, er konnte bereits in den Kinos rund um die Welt gesehen werden. AVATAR war bereits in den ersten Tagen auf über 14.000 Kinoleinwänden weltweit zu sehen. Kein Wunder also, dass diese Produktion kommerziell einen derartigen Erfolg vorzuweisen hat. (Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Avatar_(2009_film) am 17.02.2011) Doch nicht immer schien alles so glatt zu gehen, vor der Veröffentlichung von AVATAR zweifelten Kritiker an der kommerziellen Verwertbarkeit des Stoffes, zu weit seien die „blue cat people“ (Levin 2009) von den Vorstellungen des Publikums entfernt, als dass es sich mit ihnen identifizieren könne. Doch die Kritik an der kommerziellen Verwertbarkeit sollte schon am Startwochenende, ob des positiven Verlaufs an den Kinokassen, verfliegen. Was für eine effektive Marketingstrategie AVATAR gefahren ist, ist auch bei der Befragung österreichische Schüler klar ersichtlich geworden: 100% der Befragten hatten zumindest bereits vom Film gehört und immerhin 66% hatten ihn auch im Kino gesehen. Doch überraschenderweise wurde AVATAR nicht als herausragendes Exemplar des Science-Fiction Films wahrgenommen, sondern vielmehr als reinrassiges Beispiel für Effekt-Kino, wie sich an der Bewertung der Bedeutung AVATARs für den Science-Fiction Film zeigt: Mit einem Durchschnittswert von 2,2 auf einer Skala von 1 bis 4, wird AVATAR zwar als überdurchschnittlich bedeutend für den Science-Fiction Film gesehen, was angesichts der Bekanntheit AVATARs durchaus nicht verwunderlich ist, doch als Meilenstein des Science-Fiction Films wird er nicht bewertet. (Vgl. Appendix)