Duncan Jones Moon

von sophilos

I hope life on Earth is everything you remember it to be. (Jones 2009)

Sam nach fast 3 Jahren Dienstzeit

Sam nach fast 3 Jahren Dienstzeit

In einer nicht näher bestimmten Zukunft ist es dem Menschen möglich, alle benötigte Energie aus Helium-3 zu gewinnen, welches auf der Oberfläche des Mondes abgebaut wird. Sam Bell ist bereits für drei Jahre auf dieser Basis stationiert, alleine. Er dient als Wartungspersonal, und es ist ihm nicht gestattet die Basis zu verlassen. Er ist in einer labilen psychischen Verfassung, da er seit drei Jahren auf Grund eines ausgefallenen Kommunikationssystems keinen direkten Kontakt mit der Erde hatte. Er leidet an Halluzinationen und so passiert es, dass er eines Tages bei einer planmäßigen Ausfahrt mit einem Moonrover, einen Unfall hat.

Sam wird von einem Klon gerettet. Nach anfänglichen Problemen lernen die beiden, miteinander zu kooperieren, sie durchsuchen die Basis und entdecken dabei, dass sie nur zwei von vielen Klonen sind, die in einem Untergeschoss in einer Art Stasis auf ihre Aktivierung warten. Der Drei-Jahres Vertrag, den Sam am Anfang seiner Dienstzeit unterschrieb, stellt sich als ihre Lebenserwartung heraus, und Klone werden nach 3 Jahren anstatt zurückzufliegen in der Rückflügkapsel verbrannt. Planmäßig hätte auch Sam 1 sterben müssen, denn alle Klone werden automatisch getötet, sobald sie ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen können, und so wird von dem Unternehmen, welches die Basis betreibt ein Rettungsteam geschickt, um die Situation im Sinne des Unternehmens aufzulösen. Die beiden Klone erarbeiten jedoch einen Plan, wie sie nicht nur überleben, sondern auch die Öffentlichkeit von diesem Prozess informieren können. Sam 2 gelingt es, sich in einem Helium-3 Container zu verstecken und wird so mit der nächsten Lieferung zur Erde geschossen. Zuvor allerdings sabotiert er den Funkkontakt zwischen Basis und Erde. Sam 1 wird wieder in seine ursprüngliche Position gebracht, wie er sie nach seinem Unfall inne hatte, um das Geschehene zu verschleiern, und Sam 2 erweckt einen dritten Klon, um alle Spuren des Aufeinandertreffens zwischen Sam 1 und Sam 3 unkenntlich zu machen. (Vgl. Jones 2009)

Das Buch („Entering the world“, RJ) hat mich wirklich beeindruckt. Mir wurde klar, dass der erste Schritt zur Besiedelung des Weltraums nicht aus wissenschaftlicher Neugier getan werden würde, sondern aus Profitgier. Ich dachte über den Interessenkonflikt nach, der dabei auftreten könnte: Natürlich würde jede Firma versuchen, mit dem geringsten Aufwand ein Maximum an Rohstoffen aus einem solchen Experiment herauszuholen, so wie man Geschäfte eben macht. An einem fremden Ort also, ohne Beobachter, ohne Menschenrechtsgruppen, ohne Kontrolle über die Arbeitsbedingungen – wie weit würde ein Unternehmen gehen, um seine Kosten zu senken? (Duncan Jones zitiert nach Jellen 2010)

Beinahe ein wenig ironisch ist es, dass Duncan Jones, Sohn von David Bowie, dessen größter früher Erfolg „Space Oddity“ war, eine dramatische Geschichte von Astronauten erzählt. Jones selbst erzählt, dass MOON vor allem als Hommage an die großen Klassiker des Genres geplant war, Klassiker wie 2001 und SOLARIS. (Vgl. Jellen 2010) Doch es ist nicht nur Element dieser Klassiker, die Jones aufgreift, tatsächlich greift er auf ein großes Repositorium an generischen Elementen zurück, die wir bereits aus dem Cyberpunk und anderen Strömungen kennen. MOON ist eine pessimistische Vision der Zukunft, bis auf das Energieproblem hat die Welt noch keine Lösungen zu den Problemen der Vergangenheit gefunden. Doch zu welchem Preis wurde dieses eine Problem gelöst?

Zu Beginn des Films sehen wir einen Werbespot eines multinationalen Konzerns, der Helium-3 auf dem Mond erntet und schließlich zur Erde transportieren lässt, wo dieses weiterverarbeitet wird. Aufgrund des hohen Grads der Automation ist nur eine Person für die Wartung der Station notwendig. Der Mensch ist hier nur Produkt und Eigentum einer von Konzernen dominierten Welt, Sam, dessen Erinnerungen ebenso repliziert sind wie sein Körper, ist als Person vollständig unter der Kontrolle eines multinationalen Konzerns. Weit entfernt von anderen Menschen muss er schließlich einsehen, dass nur er selbst, in diesem Fall findet das Innere selbst als Klon seine äußere Form, eine Lösung finden kann. Er wird erst handlungsmächtig, als er beginnt, über seine äußeren Bedingungen zu reflektieren und daraufhin beginnt, sich an diese anzupassen. Doch der Mensch muss immer wieder diesen Reflexionsprozess bewältigen, wie auch nach drei Jahren immer wieder ein neuer Klon die Stelle des vorherigen übernimmt. Wie in 2001 gibt es auch hier einen allwissenden Bordcomputer, dessen Auftreten dem von HAL ähnelt, der aber im Gegensatz zu diesem dem Menschen gut gesinnt ist. Schließlich ist der Plot auch eine Hommage an SOLARIS, wo ein Kosmonaut sich seinen Wahrnehmungen und Erinnerungen stellen muss, als er seine lang verloren geglaubte Liebe im Wirken von Solaris wiederentdeckt – Sam geht es ähnlich, als er plötzlich mit seinem Klon konfrontiert ist. (Vgl. Jones 2009)

Die Innenwelt mit der Sam konfrontiert ist

Die Innenwelt mit der Sam konfrontiert ist

Trotz budgetärer Beschränkungen, denen der Film als Independent-Produktion unterlag, schafft Jones mit Modellaufnahmen, die am Computer nur nachbearbeitet wurden, eine ästhetische Perfektion, die vergleichbar mit 2001: A SPACE ODYSSEY ist. Steril die Innenwelt der Basis, grau und schmutzig die Außenwelt des Mondes, Jones stellt hier auch den Charakter des Sam Bell vor, der, wie sich im Handeln des zweiten Klons offenbart, ein opferbereiter, ein humaner Mensch ist, der mit einer Welt konfrontiert wird, die eine solche Menschlichkeit zu unterdrücken versucht.

Die Außenwelt mit der Sam konfrontiert ist

Die Außenwelt mit der Sam konfrontiert ist

MOON stand als Independent-Produktion vor einer schwierigen Aufgabe: der Vermarktung. Wie so viele Independent-Filme erlangte auch MOON seine Bekanntheit nicht durch vorauseilende Promotion, sondern durch seinen Erfolg bei Kritikern, insbesondere auf Filmfestivals. MOON wurde bereits im Januar 2009 auf dem Sundance Film Festival uraufgeführt, eine weitere Verbreitung des Films ließ bis in den Juni auf sich warten, als schließlich Sony Pictures Classics die Aufführungen in den USA organisierte. Bereits im November 2009 sollten die digitalen Fassungen des Films auf DVD und Blu-Ray erscheinen, knapp 8 Monate bevor der Film seine Premiere im deutschsprachigen Raum feiern konnte. (Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Moon_(Film) am 17.2.2011) Für den Independent-Film ist die Verbreitung des Films außerhalb von Film Festivals ein gewichtiges Problem, MOON gelang hier, was vielen anderen, bei Festivals erfolgreichen, Produktionen nicht gelang, er fand tatsächlich weltweite Verbreitung. Doch im Gegensatz zu den Mainstream-Produktionen ist es einer Independent-Produktion nicht möglich, Werbung zu schalten und so die Menschen dazu zu bewegen ins Kino zu gehen, um sich den Film anzusehen. So lässt sich auch der geringe Bekanntheitsgrad unter österreichischen Jugendlichen erklären: Nur 23% der Befragten gaben an, den Film zu kennen, gar nur 7% gaben an, den Film auch gesehen zu haben. Mit diesem Bekanntheitsgrad ist es nur logische Folge, dass auch die Bedeutung MOONs für den Science-Fiction Film nicht sonderlich hoch eingeschätzt wird, mit einem Durchschnittswert von 3, auf einer Skala von 1 bis 4, wird die Bedeutung von MOON als unterdurchschnittlich bewertet. (Vgl. Appendix) Eine Einschätzung die von der Kritik nicht geteilt wird:

„Moon“ is a superior example of that threatened genre, hard science-fiction, which is often about the interface between humans and alien intelligence of one kind of or [sic!] other, including digital. John W. Campbell Jr., the godfather of this genre, would have approved. The movie is really all about ideas. It only seems to be about emotions. How real are our emotions, anyway? How real are we? Someday I will die. This laptop I’m using is patient and can wait. (Ebert 2009)